Allgemein · Wettkämpfe

Sonne, Strand und der Halbmarathon

Wie bereits in meinen anderen Blogberichten angekündigt, stand an diesem Wochenende einer meiner beiden Laufhöhepunkte in 2016 an, der Halbmarathon beim Ostseeküstenlauf in Kühlungsborn.
Die Ostsee zwischen Rerik und Warnemünde ist nach zahlreichen Besuchen fast wie zweites Zuhause geworden. Daher freute ich mich besonders auf dieses Ereignis.
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, den Sport mit einem 4-tägigen Kurzurlaub zu verbinden.

1.Tag

Nachdem ich zu Himmelfahrt noch Arbeiten mußte, machte ich mich bereits Freitag in der Frühe auf die Reise von Berlin nach Kühlungsborn. Als Fahruntersatz wählte ich diesmal den Flixbus. Das Unternehmen bietet die Route, von Berlin ZOB nach Kühlungsborn, mit Haltestellen in Rostock,Warnemünde, Nienhagen und Bad Doberan an. Wer frühzeitig wie ich bucht, bekomnt die Fahrt für 9,99€͵ ich zahlte durch einen Gutschein nochmal 3€ weniger. Billiger und bequemer gehts wohl kaum.
Nachdem der Frühling ja recht schleppend begann, kehrte pünktlich zu meiner Tour der Sommer ein. Der Wetterfrosch prophezeite 4Tage Sonne, blauer Himmel und über 20 Grad.
Erwartungsfroh, mit Strandklamotten im Gepäck, ging es bei strahlenden Sonnenschein auf eine kurzweilige Fahrt. Zu meiner Freude hatte ich im Bus sogar einen Doppelsitz für mich alleine, sowie Wlan, USB-Anschluß und Steckdose. Als sich der Bus an den oben beschriebenen Zwischenstopps merklich geleert hatte, erreichte man pünktlich nach 3,5 Stunden Fahrt das Ziel Kühlungsborn.


Als Unterkunft hatte ich eine billige einfache Ferienwohnung für 30€/Nacht angemietet. Die Fotos und der Preis ließen da nichts Besonderes erwarten, aber das muß ich auch nicht haben. Wichtig ist für mich immer, das es in Nähe von Strand und Einkaufsmöglichkeit liegt. Diese beiden Kriterien erfüllte es, wie ich durch vorhandene Ortskenntnisse wußte.
Nach 10min Fußweg erreichte ich meine Behausung für die nächsten 4 Tage, wo mich bereits eine nette ältere Dame am Gartenzaun erwartete.
Nach kurzer Einweisung, packte ich schnell meine Sachen in die Schränke, die wohl noch Überbleibsel von 1980 aus dem VEB Kombinat Rostock waren. Aber es war sauber und das Bett groß und bequem. Außerdem befand sich hinten raus noch ein Garten mit Tisch, wo bereits ab 7 Uhr am Morgen die Sonne an den folgenden Tagen draufstehen sollte. Ideal zum täglichen zeitigen Frühstücken.
Den restlichen Tag verbrachte ich, bei Sonne und blauen Himmel, im Bootshafen und vor meinem Lieblings-Pub in Kühlungsborn, dem Grace O‘ Malley.

2.Tag

Der Samstag Morgen begann um 6:30 Uhr mit einem lockeren Frühlauf von Kühlungsborn-Ost zum Konzertgarten West, wo auch am folgenden Tag der Start/Ziel-Bereich des Ostseeküstenlauf sein würde. Eine herrliche Ruhe herrschte noch an der Strandpromenade, welche ich im Sonnenaufgang entlang trabte. Lediglich ganz wenige andere verrückte Frühläufer waren anzutreffen, ansonsten nur das Rauschen der Wellen und gelegentliche Schreie der Möwen, die sich anscheinend genauso auf Frühstück freuten wie ich.

Nachdem ich dieses ausgiebig in der Morgensonne getätigt hatte, verbrachte ich die nächsten 9 Stunden am Strand und tat was für Bräune auf der Haut. Ein Sprung ins Wasser erschien mir noch etwas zu gewagt, da die Ostsee zum jetzigen Jahreszeitpunkt nur 9 Grad aufweist. Vor 2 Jahren war ich mal bei 12 Grad drin, was für mein persönlichen Empfinden schon sehr grenzwertig war. Wasser bekam der Körper dennoch genug zu spüren, schließlich war ich mit 3 Liter Wasser bewaffnet, die auch zur Auffüllung des Flüssigkeitsspeichers vernichtet wurden. Abends gabs beim Griechen noch einen fetten Grillteller und es ging zeitig gegen 21:30 Uhr ins Bett.

3.Tag (Wettkampf)

Der Wettkampftag begann, gut ausgeschlafen, um 6:30 Uhr wieder mit einem ausgiebigen Frühstück in der Morgensonne. Nach gründlichen Prüfen, auf Vollständigkeit der unbedingt benötigten Dinge für den Lauf und der Phase davor, machte ich mich zu Fuß auf den ca. 4km langen Anfahrtsweg. Ich hätte auch das Fahrrad oder den Bus nehmen können, aber ich entschied mich bewußt dagegen. Ein entspannter Spaziergang am Meer konnte nicht schaden, zumal die Aufregung und Vorfreude schon sehr gesteigert war.

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„Anfahrt“ zum Startpunkt

Am Startpunkt angekommen, war es noch relativ ruhig. Der Aufbau war schon im vollem Gange und ich nahm schon mal meine Startunterlagen entgegen, mit denen ich mich noch in einen schattigen Platz am Strand begab. Die Sonne gab schließlich schon ihr Bestes und heizte gut ein. Noch 90min bis zum Start.

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Vorbereitung am Strand

Zunächst mußte ich mich erstmal kurz mit der Anbringung der Transponder für die Zeitmessung vertraut machen, da sie für mich noch Neuland waren. Bisher erfolgte diese meist immer einen Timing-Chip am Schuh oder war in der Startnummer integriert. Auch ein Kunststoff-Band, was man an einem Schuh quer durch den Schnürsenkel zieht, war mir nicht fremd. Aber gleich 2 Papierbändchen, die senkrecht durch beide Schnürsenkel gezogen werden ? Es ging aber leichter gedacht, und war sogar mit weniger Aufwand verbunden als gedacht. Lediglich leichte Zweifel machten sich breit, ob denn wirklich auch so der Schnürsenkel halten wird, oder vielleicht das Band beim Lauf reißen könnte. Die Skepsis war aber unberechtigt, es gab damit später keine Probleme.

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Transponder für Zeitmessung

Die Anspannung stieg, der Platz vor dem Konzertgarten West füllte sich. Gute Musik, ein motivierter Moderator vom Veranstalter ProEvent, herrliches Wetter in einer großartigen Umgebung. Das alles ließ die Zeit bis zum Start wie im Fluge vergehen. Um 10 Uhr startete noch ein kurzer Lauf für die Kinder, welche im Zielbereich mit viel Applaus empfangen wurden. Bestimmt auch ein tolles motivierendes Erlebnis für die Kleinen.

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Die Kleinen am Start

Um 10:15 Uhr war es dann soweit. Der Startschuß für etwa 100 Teilnehmer am Halbmarathon erfolgte.

Da ich durch vorherige zahlreiche Besuche den Streckenverlauf kannte, und die Schwierigkeit der Route bei dem Wetter mir dadurch bekannt war, hatte ich frühzeitig eine neue Bestzeit ausgeschlossen. Zumal der offizielle Angabe bei 21,9km lag, also 0,8km länger als ein üblicher Halbmarathon.

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Streckenverlauf

Die ersten 3 Kilometer ging ich bewußt etwas schneller als meine anvisierte Durchschnittszeit an, da mir klar war, das ich an den zahlreichen Steigungen auf dem Hinweg genug Zeit einbüßen sollte. Diese begannen in Höhe Kägsdorf, ein lang ansteigender Berg, den ich letztes Jahr noch nicht mal mit Fahrrad bewältigt konnze. Bis zum Kilometer 8 kamen immer wieder schön knackige Anstiege, entlang von wunderschönen Rapsfeldern, und natürlich in der zunehmend brennenden Sonne. Der Letzte auf dem Hinweg kam dann in Höhe Meschendorf. Zusätzlich erschwert wurde es mir, da anscheinend keiner meine Pace laufen wollte oder konnte. Entweder waren sie zu schnell für mich unterwegs, oder liefen weit hinter mir. Daher absolvierte ich ca 10-12 km des Wettkampfes fast ganz alleine. Nur die Natur und ich, auf anscheinend endlosen graden Wegen, immer das Meer im Auge.

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Trotz allem erreichte ich die Hälfte der Strecke, das Waldgebiet an der Teufelsschlucht bei Rerik, noch in unter 5:00min/km. Endlich ! Endlich Schatten ! 2km entlang im Schatten, entlang der Steilküste zwischen Rerik und Meschendorf. Auf Waldboden, allerdings auch mit vielen Stolperfallen durch herausragende Wurzeln. War mir aber bekannt durch einige Trainingsläufe im Urlaub. Aber der Weg kam mir noch nie so lang vor. Das Stück Wald schien nicht zu enden und erste Zweifel machten sich breit. Schaffe ich es ? Bin ich noch auf richtigen Kurs ?

War ich ! Freude und Ärger machten sich breit. Erleichterung weil  Zeit und Route noch richtig waren, Ärger weil es wieder in der knalligen Sonne war, und ich wußte, das mir das schwerste Stück jetzt erst noch bevor stand. Zwei wirklich heftige lange Anstiege. Beim Versorgungspunkt noch gut Wasser und Traubenzucker getankt und auf gings.

Den ersten Anstieg quälte ich mich hinauf, noch immer laufend, langsam aber immerhin laufend. Jetzt hieß es nochmal vor dem letzten Berg den Puls runterfahren. Bei einem Blick nach hinten, sah ich wie eine fünfköpfige Läufergruppe sich mir näherte. Endlich ! Menschen ! Ich entschloss mich das Tempo rauszunehmen, auf die Gruppe zu warten, um die Herausforderung des Anstieges Richtung Bastorfer Leuchturm. gemeinsam zu bewältigen. Das macht sich bekanntermaßen leichter. Die Hälfte konnte ich hinten dran auch noch mitgehen, aber dann kam der Hammer. Es ging nichts mehr. Die anderen quälten sich zwar auch sichtlicht, aber meine Beine wollten in dem Moment nicht mehr. Die Waden brannten, die Oberschenkel wurden hart, das Herz schien gleich herauszuspringen. Ich mußte abreißen lassen und eine Laufpause einlegen, die ca. 2 Minuten bis zum erklimmen der Spitze bei Kilometer 16 anhielt. Was für ein Ärger, aber es ging diesmal wirklich nicht mehr. Gut auf dem folgenden ersten Bild zu erkennen, wo ich schon Schwierigkeiten habe zu folgen.

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Ab jetzt hieß es nur noch noch ins Ziel kommen, egal wie. Zeit egal, einfach nur das Finish zählte. Ich raffte mich also auf, und begann wieder zu laufen. Ein nächster Läufer nahte, mit dem ich vor dem Startschuss bereits etwas Smalltalk gehalten hatte. Abwechselnd machten wir beide Führungsarbeit, und zogen uns gegenseitig. Alles schon wieder in relativ vernünftiger Pace. Bis Kilometer 19 hielt das so an. Kühlungsborn und das Meer lag bereits in Sichtweite. Dort sollte auch nochmal ein Wasserpunkt sein, wo ich dann nochmals letzte Reserven mobilisieren wollte.

Tja, sollte, wollte, blablabla. Der Punkt war trockengelegt. Leer, nur noch leere Flaschen und Becher. Das einzige Manko an einer herrlichen, sonst gut organisierten Veranstaltung. Sowas darf nicht passieren, schon gar nicht bei den Temperaturen bei einem Halbmarathon. Außerdem war der Punkt auch noch für die Sportler des 10km-Laufes vorgesehen, welche später gestartet, und sich jetzt die letzten Kilometer des Kurses mit uns teilten. Sehr ärgerlich…

Etwas demotiviert lief ich weiter, genoss aber immerhin noch die herrliche Umgebung und freute mich auf den Einlauf an der Strandpromenade. Bei der Halbmarathon-Marke war ein Schild aufgestellt, dort stoppte ich meine Laufuhr. Sie stimmte mit der Kilometerangabe des Veranstalters überein und zeigte 1:51:53. Eine immer noch respektable Zeit, wie ich fand.

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Zeit Halbmarathon-Marke

 

Jetzt ließ ich die letzten 800m einfach nur noch austrudeln und genoss die Promenade durch Kühlungsborn und den mit Applaus bedachten Zeileinlauf bei 1:56:18, was den 25.Platz bedeutete und den 7. in meiner Altersklasse. Erschöpft, aber voller Glücksgefühl. Ein herrliches Erlebnis !

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Im Ziel

 

Nachdem ich mich nach Aufnahme von Flüssigkeit und Obst relativ schnell erholt hatte, hielt mich noch gut 1 Stunde im Zielbereich auf , führte einige austauschende Gespräche über das Erlebte, und lief die 4km zur Unterkunft zurück.

Nach einer ausgiebigen Dusche verbachte ich den Rest des Tages am Strand, wagte mich kurz in die kühle Ostsee, und gönnte mir am frühen Abend noch 3 Alsterwasser an der Promenade. Was für ein Tag !

4.Tag

Der letzte Tag brach an. Bereits ab 5 Uhr wach. Also rein in die Laufklamotten und um 6 Uhr ab zur regenerativen Runde. Ganz langsam lief ich wieder die Runde an der Promenade in der Morgensonne, mit einem Abstecher auf die Seebrücke.

Zurück in Unterkunft packte ich noch meinen Koffer und ließ ihn dort noch stehen. Das war bereits vorher so abgesprochen mit der Hausherrin, da man ja bis 10Uhr normalerweise räumen muß. Die Abfahrt war für 15:50Uhr geplant. So konnte ich noch einen letzten Strandtag genießen. Pünktlich ging es zurück nach Berlin, wo ich auf der Fahrt dieses Blogpost über das Erlebte vorbereitete.

Fazit

Ein geniales langes Wochenende, bei besten Bedingungen. Der Wettergott meinte es wirklich gut mit dem Jenne. Mit einem grandiosen Höhepunkt in Form des Halbmarathons. Eine herrliche Veranstaltung, die mit Sicherheit nochmal wiederholt werden wird, am Besten gleich in 2017.

Einen großen Dank an den Veranstalter ProEvent, den über 400 Teilnehmern, und den vielen Helfern und Zuschauern, die dies erst möglich machten !

Vorschau

Der Rest des 5.Kalendermonats steht voraussichtlich nur im Rahmen des Trainings, in Vorbereitung auf das große Ziel Berlin-Marathon. Der komplette Juni ebenfalls. Es sind jedenfalls bisher keine Veranstaltungen fest geplant. Die langen Trainingsläufe über 25-35km stehen im Vordergrund, dafür brauche ich meine freien Tage. Höhepunkt des Umfangs wird mit Sicherheit der 12-tägige Urlaub im Ostseebad Rerik im Juni sein, pünktlich zum zeitgleichen Start der Fußball-Europameisterschaft.

Ich hoffe Euch hat mein Eintrag gefallen und wünsche Euch schöne Sommertage.

Bis denne, Jenne !

Weitere Bilder unter http://www.ostseekuestenlauf.de/de/rueckblick.html

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6 Kommentare zu „Sonne, Strand und der Halbmarathon

  1. Danke für den Laufbericht.
    Habe versucht auf Runnerswold mit dir in Kontakt zu treten. Es ist mir leider nicht gelungen.
    Vielleicht ist bei dir die Funktion PN ausgeschaltet?

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    1. Danke für den Feedback. Habe eben nachgeschaut, ist alles richtig eingerichtet. Meines Wissens müßte dann bei Dir auch ne Nachricht erscheinen, das ich es deaktiviert habe. Gruß, Jenne

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    1. So wild fand ich es jetzt nicht. Da war eben eine Dame wegen ihrer momentanen Situation anscheinend etwas empfindlich. Soll vorkommen bei so vielen Lesern. Aber danke für den Hinweis. Werde ich mir mal heute Abend nach Arbeit angucken. Muß jetzt erstmal los. Bei Facebook verfolge ich die Beiträge von Run.de bereits

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  2. Pingback: 2016 ist gelaufen

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